20 minuten online vom 17.7.07



Schülertod beim Papiersammeln: Strafanzeige

Der Tod des 13-jährigen Schülers Sascha Roos aus Buchrain (LU) beim Zeitungssammeln wirft zahlreiche Fragen auf. Die Eltern haben Strafanzeige eingereicht. Die zuständigen Behörden wollen jetzt reagieren.

Der Tod von Sascha Roos hat tiefe Wunden hinterlassen. Der 13-jährige Schüler geriet im vergangenen Mai beim Altpapiersammeln in der luzernischen Gemeinde Buchrain unter die Hinterachse des Sammellastwagens und verstarb. Seither hat sich nicht nur das Leben der Familie Roos verändert, wie Erich Roos sagt. Der Vater kämpft auch darum, dass der Unfall lückenlos aufgeklärt werde. Die Verantwortlichen Personen sollen Verantwortung übernehmen , sagt Roos gegenüber 20minuten.ch.

Sechs Kinder auf dem Trittbrett

Die Familie hat nun gehandelt und Strafantrag wegen Fahrlässiger Tötung gestellt. Wir wollen den Fokus ausweiten , sagt Roos. Denn der Unfall wird zwar von den Luzerner Behörden bereits untersucht. Doch richte sich laut dem Vater der Fokus vor allem auf den Chauffeur des Lastwagens. Gemäss dem Anwalt der Familie Roos, Rolf Bründler, wurde jedoch das Arbeitsgesetz verletzt, wonach Jugendliche nicht zu Arbeiten herangezogen werden dürfen, mit denen erfahrungsgemäss eine erhebliche Unfallgefahr verbunden ist. Eine solche Unfallgefahr sei beim Altpapiersammeln mit Lastwagen aber zweifellos gegeben, komme es doch alle paar Jahre zu Todesfällen. Zudem hätten es der Chauffeur und die begleitende Lehrperson zugelassen, dass sich auf den Trittbrettern und dem Balken hinten am Lastwagen sechs Kinder aufgehalten hätten, obwohl gemäss Suva/Astag-Leitfaden Sicherheit für uns Profis am Heck nur zwei zulässig seien. Wären die Vorschriften eingehalten worden, könnte ihr Sohn noch leben, sind die Eltern von Sascha überzeugt. Für Erich Roos ist klar: Die Gemeinde hat schlicht kein Interesse, die Geschichte weiter zu verfolgen.

Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung werde bereits sehr breit und komplex untersucht, sagte der Mediensprecher der Kantonspolizei, Richard Huwiler, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Entsprechende Aufträge seien bei der Polizei deponiert. Es seien aber noch mehrere Befragungen nötig.

Nachbarsgemeinden haben längst gehandelt

Keine Ruhe lässt der Unfall auch der Grossmutter des verunfallten Sascha, Irma Künzler: Viele können nicht verstehen, dass das Zeitungssammeln in Buchrain nicht professionalisiert wurde . Die ehemalige Journalistin hat deshalb in den Nachbarsgemeinden recherchiert. Sowohl in Ebikon, Root und Adligenswil wird das Zeitungssammeln zum Teil seit Jahren von Profis durchgeführt. In Ebikon seien die Jugendlichen über 16 Jahre alt und für diesen Dienst ausgebildet und mit spezieller Kleidung ausgerüstet. In Root und Adligenswil betraue man Profis mit dieser Aufgabe. Die zuständige Gemeinderätin von Adligenswil, Irma Kerbler, bestätigte gegenüber 20minuten.ch, dass für das Papiersammeln auf professionelle Kräfte vertraut wird. Das Sicherheitsrisiko war mir schon länger ein Dorn im Auge , so Kerbler. Allerdings hätten letztendlich auch andere Faktoren den Ausschlag gegeben, dass Jugendliche nicht mehr für das Altpapiersammeln eingesetzt werden. Die Initiative kam auch von den Jugendlichen , sagt sie. Zeitungssammeln sei für die Jugendlichen finanziell immer weniger attraktiv geworden.

Anzeige macht Kind auch nicht mehr lebendig

Die Anzeige der Familie Roos stösst beim Buchrainer Gemeindeammann Kaspar Lang auf Unverständnis. Sie macht das Kind auch nicht mehr lebendig , meint er. Zudem habe man bereits reagiert: Seit dem Unfall wird die Papiersammlung nicht mehr von Schulklassen und Vereinen ausgeführt, sondern nur noch von einer professionellen Firma. Dieses Verfahren wurde bei der Altpapiersammlung am 30. Juni erstmals praktiziert. Allerdings wollte man sich damals noch nicht darauf festlegen, das Papiersammeln längerfristig zu professionalisieren. Gemäss Lang will die Gemeinde heute in einer Medienmitteilung dies aber offiziell bekannt geben.

Marius Egger, 20minuten.ch

Sascha Kevin Roos 28.3.1994 - 10.5.2007